
05 Aug. Gibt es noch eine staatliche Berufsunfähigkeitsversicherung?
Eine staatliche Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es in Deutschland nicht mehr. Sie wurde im Jahr 2001 abgeschafft und durch die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ersetzt, die deutlich schwächere Leistungen bietet. Wer nach 2001 ins Berufsleben eingestiegen ist, hat damit keinen Anspruch auf eine staatliche Absicherung, die speziell an den zuletzt ausgeübten Beruf anknüpft. Die folgenden Abschnitte erklären, was sich verändert hat, wer heute noch Ansprüche hat und warum eine private BU-Versicherung für viele Menschen relevant bleibt.
Was hat der Staat früher bei Berufsunfähigkeit geleistet?
Bis Ende 2000 gab es in Deutschland eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente, die Versicherten eine Rente zahlte, wenn sie ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben konnten. Diese staatliche Absicherung bei Berufsunfähigkeit war an den konkreten Beruf geknüpft: Eine Krankenschwester, die ihren Pflegeberuf nicht mehr ausüben konnte, hatte Anspruch auf Leistungen, auch wenn sie theoretisch noch einer anderen Tätigkeit hätte nachgehen können.
Dieses Prinzip der berufsbezogenen Absicherung war ein wichtiger Schutz, weil es die tatsächliche Lebens- und Einkommenssituation der Betroffenen berücksichtigte. Wer jahrelang in einem spezialisierten Beruf gearbeitet hatte, sollte nicht gezwungen sein, auf eine deutlich schlechter bezahlte oder fachfremde Tätigkeit auszuweichen.
Mit der Rentenreform 2001 wurde dieses System grundlegend verändert. Die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente wurde abgeschafft und durch die Erwerbsminderungsrente ersetzt, die nach anderen Kriterien funktioniert und in der Regel deutlich niedrigere Leistungen erbringt.
Was leistet die gesetzliche Erwerbsminderungsrente heute?
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist die heutige staatliche Leistung bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit. Sie zahlt eine Rente, wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten kann, unabhängig davon, welchen Beruf die Person zuletzt ausgeübt hat. Entscheidend ist allein, wie viele Stunden täglich noch gearbeitet werden kann.
Das System unterscheidet zwei Stufen:
- Volle Erwerbsminderungsrente: Wer täglich weniger als drei Stunden arbeiten kann, erhält die volle Rente.
- Halbe Erwerbsminderungsrente: Wer noch zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten kann, erhält nur die halbe Rente.
Wichtig dabei: Die Rentenversicherung prüft nicht, ob die Person ihren erlernten oder zuletzt ausgeübten Beruf noch ausüben kann. Wer noch sechs Stunden täglich irgendeine Tätigkeit verrichten kann, gilt als nicht erwerbsgemindert, auch wenn der ursprüngliche Beruf nicht mehr möglich ist. Die Höhe der Rente richtet sich nach den bisher eingezahlten Beiträgen und fällt laut Branchendaten für viele Betroffene deutlich geringer aus als das bisherige Einkommen.
Wer hat keinen Anspruch auf staatliche Leistungen bei Berufsunfähigkeit?
Einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente haben grundsätzlich nur Personen, die ausreichend lange in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, geht leer aus. Besonders betroffen sind mehrere Gruppen.
- Berufseinsteiger: Wer noch keine fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, hat in der Regel keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente, unabhängig davon, wie schwer die Erkrankung ist.
- Selbstständige: Viele Selbstständige sind nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert und haben daher keinen Anspruch auf staatliche Leistungen bei Berufsunfähigkeit.
- Beamte: Beamte sind zwar über die Dienstunfähigkeitsregelung abgesichert, aber nicht über die gesetzliche Rentenversicherung. Ihre Absicherung folgt eigenen Regeln.
- Personen in der Frühphase des Berufslebens: Gerade junge Menschen, die kurz nach dem Studium oder der Ausbildung erkranken, haben oft noch keine ausreichenden Versicherungszeiten gesammelt.
Für diese Gruppen besteht im Fall einer Berufsunfähigkeit kein staatlicher Schutz. Das macht eine private Absicherung bei Berufsunfähigkeit für sie besonders relevant.
Warum reicht die staatliche Absicherung für die meisten nicht aus?
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht für die meisten Menschen nicht aus, weil sie weder den zuletzt ausgeübten Beruf schützt noch das bisherige Einkommensniveau annähernd absichert. Selbst wer alle Anspruchsvoraussetzungen erfüllt, erhält in der Regel nur einen Bruchteil seines früheren Einkommens.
Hinzu kommen strukturelle Schwächen des Systems:
- Kein Berufsschutz: Die Erwerbsminderungsrente zahlt nur, wenn keine Tätigkeit mehr möglich ist, nicht wenn der eigene Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Ein Chirurg, der nicht mehr operieren kann, aber noch sechs Stunden täglich als Pförtner arbeiten könnte, hätte keinen Anspruch.
- Niedrige Leistungshöhe: Die Rentenhöhe basiert auf den bisher eingezahlten Beiträgen. Gerade jüngere Menschen mit kurzer Beitragshistorie erhalten entsprechend niedrige Leistungen.
- Strenge Prüfung: Die Hürden für die Anerkennung einer vollen Erwerbsminderung sind hoch. Viele Anträge werden zunächst abgelehnt, was Betroffene in eine schwierige Lage bringt.
- Keine Absicherung für alle: Wie oben beschrieben, sind bestimmte Gruppen vollständig vom staatlichen Schutz ausgeschlossen.
Diese Lücken machen deutlich, warum die private Berufsunfähigkeitsversicherung als Ergänzung zur gesetzlichen Absicherung so wichtig ist. Sie knüpft an den zuletzt ausgeübten Beruf an und zahlt, wenn dieser nicht mehr ausgeübt werden kann, unabhängig davon, ob theoretisch noch eine andere Tätigkeit möglich wäre.
Wann sollte man eine private BU-Versicherung abschließen?
Eine private BU-Versicherung sollte möglichst früh abgeschlossen werden, idealerweise zu Beginn des Berufslebens oder bereits während der Ausbildung oder des Studiums. Als Faustregel gilt: Je jünger und gesünder jemand beim Abschluss ist, desto günstiger sind in der Regel die Konditionen und desto einfacher ist die Gesundheitsprüfung zu bestehen.
Hintergrund ist, dass Versicherer beim Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung den Gesundheitszustand prüfen. Vorerkrankungen können dazu führen, dass bestimmte Erkrankungen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen werden oder der Abschluss erschwert wird. Wer jung und gesund ist, hat hier in der Regel die besten Voraussetzungen.
Besonders relevant ist der frühe Abschluss für folgende Gruppen:
- Auszubildende und Studierende, die noch keine oder kaum Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben
- Berufseinsteiger, die noch keine fünf Versicherungsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen können
- Selbstständige, die keinen gesetzlichen Schutz genießen
- Personen in körperlich oder psychisch belastenden Berufen
Grundsätzlich ist eine private Absicherung bei Berufsunfähigkeit in jeder Lebensphase sinnvoll zu prüfen, da die staatliche Absicherung für die meisten Menschen keine ausreichende Grundlage bietet. Ob und in welcher Form eine private BU-Versicherung zur individuellen Situation passt, hängt von vielen Faktoren ab und sollte im Einzelfall geprüft werden.
Wie assekuron bei der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit unterstützt
Die Lücke zwischen staatlicher Erwerbsminderungsrente und dem tatsächlichen Absicherungsbedarf ist für viele Menschen größer als erwartet. Wir helfen Ihnen dabei, diese Lücke zu verstehen und ein passendes Absicherungskonzept zu entwickeln, das zu Ihrer Lebenssituation passt.
- Unabhängige Marktübersicht: Wir arbeiten mit rund 600 Versicherern zusammen und sind an keinen bestimmten Anbieter gebunden, sodass wir das Konzept finden, das wirklich zu Ihnen passt.
- Individuelle Bedarfsanalyse: In persönlichen Gesprächen lernen wir Ihre berufliche Situation, Ihre Ziele und Ihre bestehenden Absicherungen kennen, bevor wir gemeinsam ein Konzept erarbeiten.
- Begleitung im Schadensfall: Sollte der Leistungsfall eintreten, stehen wir Ihnen bei der Kommunikation mit dem Versicherer zur Seite, von der Schadensmeldung bis zur vollständigen Abwicklung.
- Regionale Nähe: Als Versicherungsmakler in Aachen sind wir persönlich für Sie erreichbar, an insgesamt vier Standorten in der Region.
Als assekuron begleiten wir Sie durch den gesamten Prozess, von der ersten Orientierung bis zum fertigen Absicherungskonzept. Wenn Sie wissen möchten, wie eine private BU-Versicherung in Ihre persönliche Situation passt, freuen wir uns auf ein Beratungsgespräch.
Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung dar — für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Empfehlung sprechen wir gern persönlich mit Ihnen.
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